
Zur Geschichte von Sankt Viti in Teutschenthal
Gegründet 1129 – fast 900 Jahre Geschichte



Sankt Viti
Die dem heiligen Vitus gewidmete Kirche steht erhaben auf einer leichten Anhöhe. Ursprünglich war sie die Pfarrkirche des früher selbstständigen Dorfes Unterteutschenthal. Heute ist sie nicht nur ein architektonisches Kleinod, sondern auch ein bedeutender Teil der Geschichte und Identität von Teutschenthal. Bereits für das Jahr 1129 ist die Weihe eines Vorgängerbaus der bestehenden, romanischen Kirche belegt. Der Westquerbau aus dem 15. Jahrhundert zeugt nach schweren Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche unter der Führung des Adelsgeschlechts von Trotha teilweise neu errichtet und großzügig erweitert. Sie diente als Hauptkirche im «Deutschen Thal» und zeitweise als Grablege der Teutschenthal-Bennstedter Linie dieses Adelsgeschlechts der Trothaer. Eine stetig kleiner werdende Kirchengemeinde und schwere Bauschäden führten in den letzten Jahren zur Aufgabe der Nutzung als Gotteshaus und machen nun eine bauliche Sicherung notwendig.
Abb: Historische Darstellung der Südseite der Vituskirche. Detail aus einer 1899 gelaufenen Lithografie© Sammlung Mike Leske

Sankt Viti, allgemeine Informationen
Zugehörigkeit: Evangelisches Kirchspiel Teutschenthal im Kirchenkreis Halle-Saalkreis der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland
Status: Ehemals Pfarrkirche des früher selbstständigen Dorfes Unterteutschenthal.
Baubeschreibung: Einschiffige barocke Saalkirche aus Bruchstein mit einem spätmittelalterlichen Westquerturm der 2. H. 15. Jh. mit spätgotischem Maßwerk in den Schallarkaden, Zeltdach und schlanker Haube.
Es sind keine baulichen Reste des romanischen Vorgängerbaus mehr vorhanden.

Zur Geschichte von Sankt Viti
Nach 1120: vom Kloster Kaltenborn (bei Emseloh, Ldkr. Mansfeld-Südharz) errichtet
1129: urkundlich belegte Weihe durch Halberstädter Bischof Otto von Kuditz
Zeitweise Hauptkirche und Grablege der Teutschenthal-Bennstedter Linie der Familie von Trotha (Familiengruft in den 1950er Jahren beim Einbau einer Gasheizung zerstört und die restlichen Särge entfernt)
1675/1676: Neubau des Kirchenschiffs nach starker Beschädigung im Dreißigjährigen Krieg
Prächtiges Nordportal von 1676 in architektonischer Rahmung mit Wappenkartusche, am Gebälk die Initialen des Bauherrn Wolf Thilo von Trotha und seiner Frau Anna von Hakeborn
1740: Erweiterung des Kirchenschiffs nach Osten sowie Nordanbau für Sakristei und Patronatsloge
Eingang zum nördlichen Anbau mit üppigem Wappenaufsatz, darin die Initialen des Thilo Leberecht von Trotha und seiner Frau Amalie Gottliebe von Pfuel
1783: Erneuerung des Glockenstuhls
Außen an der Nordseite des Turms Grabmal der Familie Poppe, 1. V. 18. Jh.
Abb.: Blick auf die Vituskirche von Süden. Detail einer Mehrbildansichtskarte, gel. 1928 © Sammlung Mike Leske

Carl Wentzel: Patron von Sankt Viti
Aus den Archiven geht hervor, dass im Jahre 1924 die Rechnung für die Dachneueindeckung von Patron Carl Wentzel beglichen wurde. Der Gemeindekirchenrat hat Patron Carl Wentzel im Jahre 1924 um die Bereitstellung von 3000 Bieberschwanzziegeln, 50 Firstziegeln, 50 Zentnern gemahlenem Kalk, 8 Kubikmetern Sand, 100 laufende Meter geschnittene Latten und 60 Stück Schablonenschiefer (letztere offenbar für den Turm) bat. Schaut man sich das Dach der Kirche in Unterteutschenthal an, sticht noch heute die Deckung mit Biberschwanzziegeln ins Auge, die anscheinend aus dem Jahr 1924 stammt.


Historische Fotokarte von 1930
Historisches Foto: Blick das Kirchenschiff der Vituskirche. Fotokarte um 1930 © Sammlung Mike Leske

Innengestaltung und Inventar
Zwei spätmittelalterliche Glocken aus dem 15. Jahrhundert
Gestaltung des Innenraums infolge baulicher Veränderungen von 1740
Erhöhung der Decke mittels des Tonnengewölbes
Zwei-etagige hufeisenförmige Emporen
Imposanter Hochaltar mit polygonaler Kanzel (Kanzelaltar) zwischen ionischen Säulen; auf dem Giebel segnender Gottvater in Wolkenstrahlenglorie
Zwei kunstvolle Altarfiguren (Moses und Jesus) über den seitlichen Altardurchgängen wurden bei Einbruch 1996 gestohlen.
Renaissancezeitlicher Sandsteintaufe 16. Jh.(?), geschweifte sechseckige Kelchform mit Festons und Engelsköpfen
Epitaph von Franz Casimir von Trotha (1679–1711)
Orgel von Peter Herold (Apolda) aus dem Jahr 1698; Erneuerung 1858 durch Orgelbaumeister Wäldner (Halle)
Gedenktafel für die Gefallenen der Befreiungskriege (1813–1815), Deutsch-Österreichischen Kriegs (1866) und Deutsch-Französischen Kriegs (1870/71)
Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs (1914–1918)
Steinerne Tafel zur Erinnerung der 800-Jahrfeier der Kirche von 1929

Historische Darstellung aus dem Jahre 1899
Historische Darstellung der Südseite der Vituskirche. Detail aus einer 1899 gelaufenen Lithografie© Sammlung Mike Leske
Video: Führung durch Sankt Viti
Unser Gründungsmitglied Margarethe Gerlach erklärte am Ostermontag (1. April 2024) die Geschichte von Sankt Viti.
